
Heute war ich eingeladen zu einem Jazz Festival. Frank wollte Karten besorgen. Eigentlich höre ich gar keinen Jazz; aber ich dachte mir a) ich muss und will meinen Horizont erweitern, will mich aus der Masse der 35-jährigen Frauen herausheben, die sich nur um ihre Ikea-Single-Einrichtung kümmern und seit 3 Jahren verbissen Sport machen, um auch charakterlich nicht den Anschluss zu verpassen und b) besser als alleine zu Hause rumzuhängen an einem Samstag Abend.
Wie auch immer, eine Stunde vor Beginn des Konzerts schickte mir Ben eine SMS und fragte, ob ich nicht Lust hätte, mit ihm und ein paar coolen Leuten zu Vapiano zu gehen und anschließend in der X-Lounge ein paar Cocktails zu schlürfen. Ben war zwar nicht wirklich mein Typ – das Hemd einen Knopf zu weit auf, ein bisschen zu gebräunt und der Tanzstil ein bisschen affig... – aber immerhin kannte er viele Leute. Mist, was sollte ich jetzt tun? Zu allem Überfluss wollte Hannah auch noch mit mir ins Kino. Ich musste mich entscheiden. Warum musste Ben sich am Wochenende aber auch immer auf den letzten Drücker melden? Stand ich auf seiner Liste vielleicht zu weit hinten und war sozusagen Plan C oder so?
Und ausserdem hatte ich Frank schon zugesagt. Frank ist sehr nett, vielleicht sogar ein wenig zu nett. Er wirkt recht erwachsen, oder besser arriviert; so als wüsste er was er wollte. Na ja, er ist auch wohl eher schon 45 oder so. Wahrscheinlich sind da sowieso mehr ältere Leute beim Jazz. Ach, ich weiß nicht. Frank wird es mir wohl nicht übel nehmen, wenn ich ihm absage. Schließlich wollten ja noch zwei seiner Kumpels mitkommen und meine Karte kann er sicher noch weiterverkaufen. Eigentlich mag ich das nicht so gerne, mich in letzter Minute entscheiden zu müssen. Auf der anderen Seite ist es irgentwie auch schick mehrere Optionen zu haben.
Manchmal denke ich, es wäre einfacher, nur eine Möglichkeit zu haben; ich bin oft so unentschlossen. Ich kann und will mich aktuell nicht für einen Mann entscheiden. Ich fühle, dass der Richtige noch nicht dabei ist. Ich bin sicher, ich merke, wenn es der Richtige ist. Ich möchte einfach keine Kompromisse eingehen. Habe bis jetzt noch keinen Fehler gemacht und mit 35 sind noch alle Möglichkeiten offen. Außerdem geht es in erster Linie ja um mich. Das Single-Dasein hat auch seine Vorteile. Guten Sex habe ich auch ab und zu, dazu brauche ich keinen (festen) Partner.
Das einzige was mich ein bisschen nervt, ist die Sache mit Kind bzw. Kindern. Ich möchte mindestens ein Kind. Und so langsam wird die Zeit knapp. Aber mich deswegen jetzt „unter Druck“ sozusagen für einen Mann zu entscheiden, kann es ja auch nicht sein. Was mach ich dann, wenn ich einen Anderen kennenlerne, bei dem es mir den Boden weghaut, wenn ich ihn zum ersten mal sehe; und sofort weiß, dass er der Richtige ist? Nee, ich erinnere mich als ich damals mit Robert zusammen war und beim Stadt-Skaten Max kennenlernte. Das möchte ich nicht nochmal mitmachen. Warum wollte Robert aber auch einfach nicht loslassen und akzeptieren, dass Max es war und ich einfach nicht anders konnte? Na ja, hätte Robert mich wirklich geliebt, hätte er mir Max gegönnt und sich nicht so verhalten. Schwamm drüber. Jedenfalls bleibe ich bis dahin lieber Single.
Eigentlich habe ich im Moment genug mit mir zu tun. Vor ein paar Tagen laß ich auf SPON einen sehr interessanten Artikel über „Mind Engineering“. Ich fand den Ansatz eigentlich sehr logisch. Wir stylen ja auch unseren Körper, unser Aussehen; mit Sport, mit Kosmetik, mit Kleidung, manche sogar mit kosmetischer Chirurgie. Warum also nicht auch das Innere stylen. Ich habe eine recht klare Vorstellung davon, wie ich sein möchte: open minded, kulturell interessiert, humorvoll, unterhaltsam aber auch mit der Fähigkeit im richtigen Moment die Klappe zu halten, umweltbewusst, ohne fanatisch zu sein, erfolgreich, ohne meine Familie zu vernachlässigen, ein Kumpel, ein Freund, eine Schlampe, kein IT-Girl aber auch kein Trockenbrötchen, eine moderne flexible Frau eben mit vielen Facetten und Farben. Schließlich möchte ich meine Persönlichkeitsentwicklung nicht dem Zufall, dem Leben überlassen. Wir sind ja keine Neandertaler mehr. Wie auch immer, die Pyjama, Chips und B-Movie Abende kriege ich auch noch in den Griff.
Eigentlich ist das Leben schön; ich bin optimistisch.